Mall unter. Samstag, Jun 7 2008 

Donner, der uns nicht schlafen ließ, ein Gewitter, das einfach nicht aufhören wollte. Heute nacht war die Hölle los und heute morgen blinkte uns das “Schwarze Wolke Schild” am Hauseingang entgegen. In Hong Kong gibt es ein Wetterwarnungssystem zudem auch die Warnungen vor heftigen Regen gehören. Gelb heißt quasi “Achtung”, Rot “Alles bleibt zu Hause” und Schwarz “Land unter”. Frei übersetzt natürlich.

Also sind wir ganz brav nur schnell in die Mall verschwunden um zufällig einem Schauspiel beizuwohnen, was ich so auch das erste Mal gesehen habe. Unsere Mall war überschwemmt. Die unterste Etage war gesperrt und ein Einsatzkommando aus Putzleuten bewaffnet mit besenähnlichen Gummischiebern “fegten” das Wasser in einen extra freigelegten Abwasserkanal im Boden. Sie haben mindestens eine halbe Stunde gebraucht, bis es halbwegs trocken aussah, denn Christoph und ich waren gemütlich einkaufen.

Und konnten gleich die nächste Auswirkung des Unwetters beobachten. Auf den Straßen ging nichs mehr. Die Busse standen, die Autos standen und aus der Ferne sah es so aus, als ob eine Tram aus ihrem Gleisbett gehoben war. Heute abend haben wir dann Bilder von Hong Kong im Fernsehen gesehen. Bei den überfluteten Strassen wunderte es mich, dass unsere Mall nicht bis in die erste Etage geflutet war.

Mittags war der Spuk beziehungsweise das Unwetter wieder vorbei und wir konnte sogar gemütlich nach dem Mittagessen mit dem Boot von Central nach Koowlon fahren.

[Noch einer Buch, Mama?] Samstag, Jun 7 2008 

Ich bin unglaublich stolz, dass Christoph gerne Geschichten hört. Jeden Abend sitzen wir zusammen im großen Bett und lesen Gute-Nacht-Geschichten. Aber mein Kind ist unersättlich. Selbst wenn ihm eigentlich schon die Augen zufallen und er grad noch [Heia] gejammert hat, unter drei Geschichten Minimum komme ich nicht weg. Dabei hatte ich extra 20 verschiedenen Bücher eingepackt (Patrick, daher kam das Übergepäck) mit dem Gedanken, dass die sicherlich für zwei Monate ausreichen. Mittlerweile kann ich sie auswendig und ertappe mich dabei, dass ich aufgrund des ewig Gleichen einzuschlafen drohe. Schade, dass er noch kein Englisch kann, denn hier in der Mall gibt es einen wunderbaren Buchladen mit noch wunderbareren Kinderbüchern. Der Umzug, wie sollte es anders sein, wird siicherlich auch aus Bücherkisten bestehen.

Hoch(hin)haus Samstag, Jun 7 2008 

Wir haben eine Wohnung, nachdem wir uns in Marathon-Begehungen über 30 Stück angeschaut haben. Bewaffnet mit einer Liste von Adressen sind wir von Nord nach Süd, von Ost nach West gefahren. Den ersten Samstag sind wir noch ohne Kamera losgezogen. Anfängerfehler, denn Exposés über die einzelnen Wohnungen gibt es hier nicht. Weder Grundrisse noch vorab Fotos. Man fährt also zu den Häusern, läßt sich unten den Schlüssel geben und ist gespannt, was einen oben erwartet. Alles ausnahmslos Hochhäuser, mal moderner, mal älter.

Aber nicht alles was glänzt ist Gold. Dieses Sprichwort stimmt zumindest bezogen auf die hiesige Wohnungsituation. Wenn die Häuser oder Anlagen außen pompös und super chic aussehen so könnt ihr drauf wetten, dass die Wohnungen klein sind, sehr klein. Bei manchen Zimmern habe ich mich gefragt, wie ich für Christoph noch neben seinem Bett einen Schrank oder ein Regal unterbringen kann. Von einem eigenen Schreibtisch träumen die Kinder hier wahrscheinlich. Je älter die Häuser, desto größer waren meist die Räume. Erschreckend waren teilweise die Räumlichkeiten für die Amah, wie die Kindermädchen/Putzfrauen/Haushaltshilfe hier genannt werden, die in den Familien leben. Manche hatten kein Fenstern, waren im Raum mit den Sicherungskästen untergebracht oder so winzig, dass man definitiv nur schräg über Eck hätte schlafen können.

Viele Wohnungen waren grad in der Umbauphase, man sollte also nicht grad in seinen Sonntagsstiefeln die Wohnungen besichtigen. Dafür hat man die Chance bei diesen Wohnungen Änderungswünsche anbringen zu können. Ansonsten sind fast alle mit allem notwendigen wie Küche inkl. Kühlschrank, Herd und Waschmaschine/Trockner ausgestattet. Warum ich die Küche so erwähne? Uns war sie wichtig und manche waren winzig, da hätten wir nicht zu zweit drin arbeiten können. Alle Wohnungen hatten dafür fast immer zwei komplett eingerichtete Bäder, eines für den Hauptschlafraum, eines für Gäste.

Also keine Sorge, wenn ihr uns besuchen kommt, dass früh Stau im Bad angesagt ist, wir haben jetzt auch zwei vollkommen ausgestattete Badezimmer mit Zwergenbadewannen. Höhenangst solltet ihr allerdings nicht haben, wir werden in der 15. Etage wohnen. Im District Wan Chai, also quasi im Zentrum. Bequem für Patrick zur Arbeit und auch nicht zu weit entfernt mit dem Schulbus zum Kindergarten für Christoph. Der Hong Kong Park ist immer noch nah und wir sind gut mit den öffentlichen Transportmitteln zu erreichen.

Wir haben einen kleinen aber feinen Pool im Haus und einen Gym für die Unermüdlichen und Eifrigen. Außerdem einen Videoraum (keine Ahnung, wer den benutzt) und einen Spielraum mit Matten und Spielzeug für die kleinen Zwerge. Gut geeignet um Bekanntschaften im Haus zu schließen. Und ihr seid herzlich eingeladen uns zu besuchen, denn wir haben auch ein Gästezimmer.

Die Gelbe Klasse Freitag, Jun 6 2008 

wird ab Ende August für Christophs vormittägliches Bespaßungsprogramm zuständig sein. Diese Woche hatten wir einen ersten Beschnupperungstag im Kindergarten der GSIS - German Swiss International School. Schon ein merkwürdiges aber auch schönes Gefühl, wenn man selber mal Schüler an einer Auslandsschule war und jetzt sein eigenes Kind an einer Auslandsschule anmeldet.

Christoph war es jedenfalls egal; er hat sich erstmal ein wenig umgeschaut und die anderen “beschnuppert”, wurde aber auch sofort von den anderen Kindern miteinbezogen, sodass ich problemlos einen Kaffee trinken und etwas essen gehen konnte. Er hat außerdem seine erste Sportstunde gehabt und angeblich sogar Purzelbäume gemacht. Noch konnte ich ihn nicht überzeugen, mir das zu Hause zu zeigen.

Nächste Woche darf er nochmal, mal sehen, was er danach erzählt. Es scheint ihm auf alle Fälle dort zu gefallen, wahrscheinlich auch, weil es dort wesentlich mehr Spielzeug- und Spielmöglichkeiten gibt und er vor allem mit anderen Kindern zusammen spielen kann. Er freut sich ja schon diebisch, wenn er ein anderes Kind, welches wir unterwegs treffen, zum Fange spielen oder hinterherrennen animieren kann.

Jaguar beim Zahnarzt Freitag, Jun 6 2008 

Glaube ich zumindest, denn als wir am Montag den Zoologischen Garten erklommen haben, war er leider nicht da sondern “under medical treatment”. Der Aufstieg hat sich dennoch gelohnt, denn wir haben zu Christophs Freude eine Unmenge [Affe], hauptsächlich Lemuren, durch die Käfige hüpfen sehen. Der Zoologische und Botanische Garten, wie er richtig heißt, liegt etwas oberhalb vom Hong Kong Park und verlangt kräftige Beine, da er im Hang liegt. Es gibt darüber hinaus eine Menge exotische Vogelarten zu sehen, sowie viele subtropische Pflanzen.

Das Hauptinteresse von Christoph lag jedoch auf den Springbrunnen, in die er zu gern gestiegen wäre. Kompromiss war dann, die Hand in den [Buull=Pool] zu halten. Am Rande sei noch erwähnt, dass der Eintritt kostenlos ist und es einen schönen Spielplatz gibt, für den Fall, dass unser Kind mal nicht mehr für Tiere zu begeistern ist.

Tocken Mama? Montag, Jun 2 2008 

Die letzten Tage war leider Sintflut angesagt. An rausgehen war nicht zu denken, also mußte eine Alternativ-Beschäftigung für uns beide her. Um das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, habe ich beschlossen, Christoph in seiner Kochleidenschaft zu unterstützen. Wir sind gemeinsam die  Zutaten einkaufen gegangen und dann hat er seinen ersten Kartoffelbrei aus echten Kartoffeln gemacht. Schälen mußte ich, aber schneiden haben wir gemeinsam gemacht. Wasser in den Topf einfüllen ist eh seine Lieblingsbeschäftigung ebenso wie überall Salz zu verteilen. Dann hieß es [waatn] bis die Kartoffeln durch waren und dann durfte er mit einer Gabel seine Kartoffeln in Atome zerlegen. Rein in eine Schüssel, Butter und [Kuh] dazu und dann kräftig [dren].

Ich habe mich unterdessen an thailändischem Curry versucht, denn nach einem Monat Nudeln mit diversen Phantasie-Soßen brauchte ich dringend ein wenig Abwechslung. Und die Zutaten wie Kokosmilch, Cury-Paste, Zitronengras etc. gibt es in jedem normalen Supermarkt problemlos zu kaufen. Zum Glück hatte Christoph seinen Kartoffelbrei auf den es dann noch Fischstäbchen und frische Paprikastücke drauf gab, denn das Curry war extrem scharf. Ich überlege, beim nächsten Versuch einfach nur die Hälfte der Paste zu nehmen, aber wahrscheinlich ist es dann auch nur halb so spassig, wenn es einem nicht die Tränen in die Augen treibt.

Ergebnis meiner Bemühungen ist jedoch, dass Christophs Leidenschaft stark entfacht ist und wir fast täglich “Ei [tocken]” müssen. Ist er nämlich auch gern.

Samstagsbeschäftigung Montag, Jun 2 2008 

Man adaptiert sich schnell in Hong Kong, auch mangels Alternativen und beginnt durch die Shopping-Malls zu bummeln. Aber noch ist unser liebstes Hobby das Essen und so erkunden wir die lukullischen Angebote in besagten Shopping-Malls.

Vorletztes Wochenende hat es uns nach YauMaTai verschlagen, einem der ältesten rein chinesischen Viertel Hong Kongs. Nach einem ausgiebigen Bummel über den Jademarkt, diverse Groß- und Kleinmärkte, die einem das eine oder andere exotische Detail dieser Welt nahe bringen, sind wir im Restaurant Miso gelandet. Für mich gabs Sashimi, für Patrick ein Menü und Christoph hat eine ganze Schüssel gebratenen Reis verputzt. Der Hauptgang war lecker und günstig, aber das Beste war das Dessert. Es gab “Banana tart with lemon icecream”. Wer uns besuchen kommt, kann gern auch das Vergnügen haben, denn ich begleite euch auf alle Fälle.

Diese Woche haben wir uns das Elements in Kowloon angeschaut, eine riesige Shopping-Mall, die wieder einmal die Frage bei mir aufwarf, wer denn all die Sachen kaufen soll, die es ja auch schon in den anderen Shopping-Malls gibt. Es ist so, als wenn man nebeneinander 10 Kö’s hat. Aber zurück zu unserem eigentlichen Ziel - dem Essen. Patrick hatte sich das Megu ausgesucht, ein im letzten Oktober neu eröffnetes Restaurant, Ableger des in New York berühmten Japan-Restaurants Megu.

Dank Christoph sind wir ja meist früher unterwegs und demzufolge auch früher hungrig als der normale Mensch. Somit hatten wir die Gelegenheit, da die einzigen Gäste zu diesem Zeitpunkt, die Einrichtung ausgiebig zu bestaunen und dem Sushi-Chef auf die Finger zu schauen. Sehr stylish überwiegend in Weiß und rot gehalten mit vielen japanischen Elementen und Verweisen. Insbesondere die Lampen haben es mir angetan. Leider hatten wir ausgerechnet an diesem Tag den Fotoapparat zu Hause gelassen, denn nicht nur die Einrichtung war stylish sondern auch die Präsentation unseres Essens. Wären super Bilder für unsere Küchengalerie geworden. Die Gänge waren ausnahmslos lecker und ein Besuch nicht nur wegen des In-Faktors lohnt sich definitiv.

Ihr seht, im Moment sind wir stark Japan-lastig, aber das kann sich ja ändern.

Kleiderreparaturservice Mittwoch, Mai 28 2008 

Eine der wichtigsten Fragen, die ich unbedingt beantwortet haben wollte, war die nach einer kompetenten, vertrauenswürdigen Näherei. Gewohnt an die Omnipräsenz von Reparaturservices in Düsseldorf, war ich erstaunt, hier nicht auf Anhieb eine zu finden. Auf meine Nachfrage antwortete mir unser chinesischer Guide, dass es eher unüblich ist, seine Sachen reparieren zu lassen … meist kauft man sich einfach neue. Ich hätte vielleicht erwähnen sollen, dass die Anzughose von Patrick dringend genäht werden muss. Und ohne Equipment sich das ganze für mich etwas komplizierter gestaltet. Aber vertrauensvolle deutsche Quellen halfen weiter und statteten mich mit einer Adresse aus. Also bin ich mit Christoph und dem Stadtplan bewaffnet letzte Woche in Richtung Central aufgebrochen. Und auf ein Klischee getroffen. Kleiner, langer, schmaler Shop, vollgestopft bis unter die Decke mit reparierten Sachen, im Hintergrund rattern ununterbrochen die Nähmaschinen, dazwischen chinesische Wortfetzen. Die Hose wurde mir abgenommen begleitet von der Aufforderung zu warten. Keine drei Minuten später hatte ich sie genäht wieder in der Hand. Die Jeans mit dem kaputten Reissverschluss habe diese Woche abgeholt und sie sieht super aus.

Bumps to Babes Donnerstag, Mai 22 2008 

Es schüttet. Seit Montag ist es wolkenverhangen, grau und trüb. Ich fühle mich immer heimischer, denn das kommt, abgesehen von der Schwüle, dem Düsseldorfer Wetter schon sehr nah.  Damit fällt jedoch für uns der Hong Kong Park mit all seinen Attraktionen aus. Also habe ich mich entschlossen, die hiesigen Kinderläden zu erkunden. Auf Empfehlung von Patrick “Da ist angeblich ein ganz großer Laden direkt über dem Shanghai Tang in Central.” steigen wir in die MTR (U-Bahn) und fahren nach Central. Eine der größten Stationen mit mehr als 10 verschiedenen Ausgängen und es braucht ein wenig bis ich den richtigen gefunden habe, der uns direkt in die Pedder Street zum Pedder Building führt. Leider habe ich genau den Ausgang erwischt, der keinen Fahrstuhl hat, aber es ist stets eine helfende Hand da, die mit mir den Kinderwagen hochträgt und dann schnell noch zum Abschied Christoph über die Haare streicht. Am Eingang vom Pedder Building bin ich ein wenig verwirrt, denn nichts deutet darauf hin, dass hier Geschäfte insbesondere gesuchter Kinderladen ist, außer der stete Fluss von Mamas, beladen mit Kindern, Taschen und Beuteln. Ich marschiere einfach hinter den Damen hinterher, rein in den Fahrstuhl und dann geht es in die fünfte Etage. Angekommen im Spielzeugparadies. Was von außen unscheinbar ist, entpuppt sich als Fundgrube für Christoph. Es gibt ein wenig von allem. Kleidung, Babynahrung, Schwimmwindeln (die ich überall schon gesucht hatte), Kinderwagen, Betten und eine Unmenge von Spielzeug. Leider nicht wie ich gehofft hatte zum günstigen China-Einkaufspreis. Vertreten sind überwiegend amerikanische und australische Marken, die zwar in China produzieren, jedoch preislich leider nicht mit Tchibo Spielzeug mithalten können. Nichtsdestotrotz lasse ich mich breitschlagen, Christoph ein paar Töpfe und Kochgeräte zu kaufen, in der Hoffnung, meine Töpfe wieder für mich zu haben. Eine Schippe, groß wie Christoph, wandert auch noch in den Einkaufswagen und dann bugsiere ich mein Kind in Richtung Kasse und Ausgang. Für diesmal reicht es. Zu Hause beginnt sofort eine Kochorgie; ich bin jedoch trotzdem wieder alle meine Töpfe und Pfannen los.

Doch Mama! Samstag, Mai 17 2008 

“Christoph, wir können deine Legos nicht auf dem Herd kochen, die gehen sonst kaputt.” “Doch Mama.”

“Christoph, wir können nicht im Schlafanzug spazieren gehen.” “Doch Mama.”

“Christoph, die Vögel schlafen schon. Wir können sie jetzt nicht mehr besuchen.” “Doch Mama.”

Christophs neues Lieblingswort ist “DOCH”. Selbst in seinen Träumen sagt er ständig “Doch Mama. Doch Mama.” Und gleich danach kommt [heine]. Er ist ja jetzt schon groß, da kann Mama doch nicht ständig nachhelfen. Selbst ist der Mann und deswegen will er alles allein machen. Nur wenn ihm wirklich Grenzen gesetzt sind aufgrund der fehlenden Kraft oder Größe, heißt es irgendwann “Mama” oder “Papa”.

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